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In Mannheim treffen Rhein und Neckar aufeinander, doch ihre Ufer unterscheiden sich stark. Am Neckar reicht die Stadt nah ans Wasser; am Rhein folgen zunächst Wald und geschützte Auen, dann Hafen und Industrie. Eine durchgehende öffentliche Uferpromenade gibt es daher nicht.
Am Wasser müssen mehrere Interessen Platz finden: Menschen wollen ans Ufer, Tiere brauchen ruhige Lebensräume, der Hafen benötigt Platz und Deiche müssen vor Hochwasser schützen. Wie sich diese Interessen vereinbaren lassen, zeigt sich an der Neckarrenaturierung und der geplanten Sanierung des Rheindamms.
Rhein und Neckar in Mannheim
Die Lage am Zusammenfluss von Rhein und Neckar prägte Mannheims Geschichte. Der Grundstein für Stadt und Festung wurde am 17. März 1606 gelegt. Heute prägen neben der Stadtentwicklung vor allem Schifffahrt, Hafenanlagen und Hochwasserschutz die Ufer. Sie bestimmen auch, wo Menschen ans Wasser kommen.
Am Neckar finden Sie in vielen Abschnitten ein städtisches Flussufer. Am Rhein liegen mit Waldpark und Reißinsel große Grünräume nahe den Stadtteilen Lindenhof und Neckarau. Weiter nördlich verbindet die Friesenheimer Insel Industrie und Hafenwirtschaft mit geschützten Resten der Rheinaue. Da der Zugang zum Wasser von Ort zu Ort variiert, sollten Sie bei längeren Touren nicht davon ausgehen, dass Wege überall am Fluss entlangführen.
Der Neckar soll mehr Raum bekommen
Zwischen Fernmeldeturm und Wasserkraftwerk Feudenheim erstreckt sich das Neckarprojekt über 3,3 Kilometer. Die Stadt plant, die Ufer flacher und abwechslungsreicher zu gestalten. Geplant sind Buchten und Inseln sowie ein Seitenarm. Damit sollen mehr Lebensräume für Pflanzen und Tiere entstehen. In der Feudenheimer Au gibt es bereits einen kleinen See und einen Bach, die im Zusammenhang mit der Bundesgartenschau 2023 entstanden.
Die Stadt will vor allem die ökologischen Bedingungen verbessern. Auch Erholung und zusätzlicher Raum für Hochwasser gehören zu den Projektzielen. Das Land Baden-Württemberg stellt dafür nach städtischen Angaben Fördermittel bereit. Einige neu gestaltete Bereiche sollen für Besucher gesperrt bleiben, damit Tiere dort ungestört leben können. Mehr Natur am Fluss bedeutet also nicht automatisch, dass jeder Uferabschnitt frei zugänglich wird.
Das regionale Programm „Lebendiger Neckar“ umfasst Maßnahmen für die Natur am Fluss und für Erholung. In Mannheim gehören dazu etwa die Emma-Weihrauch-Bucht und eine flache Uferzone, die im Zuge der Bundesgartenschau angelegt wurde. Zusammen schaffen die Vorhaben aber weder ein durchgehend naturnahes Ufer noch einen durchgehend begehbaren Weg. Welche Bereiche Sie nutzen können, hängt vom jeweiligen Abschnitt ab.

Am Rhein liegen Wald und Hafen nah beieinander
Der Waldpark und die Reißinsel bieten am Rhein viel Grün. Die Friesenheimer Insel zeigt eine andere Seite des Flusses: Dort treffen industrielle Nutzung und Hafenbereiche auf geschützte Landschaft. In einem Landschaftsschutzgebiet ist eine unbebaute Rheinaue erhalten geblieben, die zugleich Lebensraum und Überschwemmungsfläche ist.
Am Rhein finden Sie unterschiedliche Bedingungen für Ausflüge statt einer durchgehenden Uferpromenade. Ein Spaziergang durch den Waldpark führt durch einen großen zusammenhängenden Grünraum; am Hafen prägen dagegen Arbeitsbereiche und Infrastruktur das Ufer. Für Ihre Planung lohnt es sich, ein konkretes Ziel auszuwählen und den Zugang vor Ort zu prüfen, statt eine freie Passage am Wasser vorauszusetzen.
Der Rheindamm bleibt umstritten
Der Rheinhochwasserdamm XXXIX verläuft auf rund 3,6 Kilometern durch Neckarau, Niederfeld und Lindenhof. Das Land will seine Standfestigkeit verbessern und den Zugang für den Hochwasserschutz sichern. Der Damm ist Teil des größeren Schutzsystems am Oberrhein.
Umstritten ist, wie sich diese Arbeiten umsetzen lassen, ohne den Waldpark stärker als nötig zu beeinträchtigen. Die 2021 eingereichte Planung sah nach Angaben des Landes einen zehn Meter breiten, baumfreien Streifen auf beiden Seiten des Damms vor. Das Regierungspräsidium prüft inzwischen eine selbsttragende Spundwand. Auch bei dieser Bauweise sind Bäume betroffen.
Umweltverbände und lokale Initiativen fordern, Varianten mit geringeren Schäden stärker zu berücksichtigen. Die Initiative Waldpark Mannheim meldete bis zum Ende der Einwendungsfrist am 19. Januar 2023 insgesamt 5.468 Einwendungen. Die Zahl zeigt den Widerstand. Sie ersetzt aber nicht die abschließende Prüfung der Planungsvarianten.
Nach dem zuletzt beschriebenen Planungsstand arbeitete das Land an einem Entwurf für die Spundwandvariante. Die bevorzugte Lösung sollte 2027 in das weitere Planungsverfahren eingebracht werden. Wie die endgültige Planung aussieht, welche Bäume betroffen sind und wann gebaut wird, ist damit noch offen.
Wie Hochwasserschutz Auen stärkt
Ein anderes Beispiel liegt bei Kirschgartshausen nördlich von Sandhofen. Dort verbindet das Integrierte Rheinprogramm Hochwasserschutz mit einer wiederhergestellten Auenlandschaft. Nach Angaben des Landes ist das Projekt in Betrieb und unterstützt den Hochwasserschutz im Großraum Mannheim. Ein etwa vier Kilometer langer Informationsweg führt durch das Gebiet.
Der Weg wird als barrierefrei beschrieben. Bei hohen Rheinpegeln können allerdings einzelne Abschnitte überschwemmt sein. Kirschgartshausen zeigt, dass Hochwasserschutz und Naturentwicklung gemeinsam geplant werden können. Das Projekt liegt jedoch an einem anderen Ort und ersetzt die Sanierung des umstrittenen Damms im Süden Mannheims nicht.



